Nintendo muss in Frankreich 35 Millionen Euro zahlen – wegen eines Problems, das Switch-Spieler seit Jahren zur Weißglut treibt: Joy‑Con-Controller, deren Analogsticks „driften“, also Bewegungen registrieren, obwohl niemand sie ausführt.
Joy‑Con‑Drift: Der Fehler, den jeder Switch‑Besitzer kennt
Seit dem Switch-Start 2017 häufen sich Berichte über dasselbe Muster. Erst wirkt alles normal, dann fängt es an: Die Spielfigur läuft von allein los. Die Kamera dreht sich, als hätte jemand am Stick gezogen. Präzise Eingaben werden zum Glücksspiel.
Was nach einem kleinen Ärgernis klingt, wird im Alltag schnell teuer. Bei manchen Nutzern sind Controller nach wenigen Monaten „normaler“ Nutzung so unzuverlässig, dass sie praktisch unbrauchbar werden. Und wer schon einmal in einem Jump’n’Run oder Shooter wegen Phantom-Eingaben verloren hat, weiß: Das ist kein kosmetischer Makel, das zerstört das Spiel.
Nintendo wusste Bescheid – und ließ es laufen
Neu ist an der Sache nicht der Defekt, sondern dass ein Gericht ihn nun mit einer spürbaren Summe bepreist. Nintendo konnte sich kaum darauf berufen, überrascht worden zu sein: Der Drift ist seit Jahren dokumentiert, diskutiert, gefilmt, millionenfach beschrieben.
Reparaturen gab es zwar – innerhalb der Garantie teils kostenlos. Nur: Das ist Pflaster statt Operation. Wer außerhalb der Garantie lag, stand oft vor der simplen Wahl: zahlen oder weiterärgern. Ein neues Paar Joy‑Cons kostet schließlich nicht Kleingeld, sondern schnell einen Betrag, bei dem man sich fragt, warum ausgerechnet ein Verschleißfehler am Kern der Steuerung hängen bleibt.
Warum die 35 Millionen Euro mehr sind als eine Strafe
Die Summe trifft Nintendo nicht nur finanziell. Sie setzt ein Signal an die gesamte Branche: Bekannte Konstruktionsfehler lassen sich nicht endlos aussitzen, bis die nächste Hardware-Generation alles überdeckt.
Für deutsche Leser ist der Frankreich-Bezug entscheidend: Dort greifen Verbraucher- und Wettbewerbsregeln bei Elektronik zunehmend härter durch, wenn Hersteller bei Haltbarkeit und Reparierbarkeit kneifen. Der Druck wächst – auch politisch – weil Wegwerf-Elektronik längst nicht mehr als „halt so“ durchgeht.
Was Nintendo jetzt liefern muss – und was Spieler davon haben
Für Nintendo kommt das zur Unzeit. Die Switch ist ein alternder Bestseller, und die nächste Konsole ist längst Thema. Genau deshalb ist die Botschaft so klar: Die nächste Joy‑Con‑Generation muss konstruktiv robuster werden – nicht nur mit Reparaturprogrammen, sondern mit Hardware, die den Fehler gar nicht erst produziert.
Der Reputationsschaden bleibt. Viele Spieler haben über die Jahre dutzende bis hunderte Euro in Ersatz-Controller gesteckt. Für manche kommt die Strafe zu spät, für andere ist sie die späte Bestätigung, dass ihr Ärger nicht „Einzelfall“, sondern System war. Nintendo wird diesen Fleck nicht mit einem Update wegpolieren.
Quellen
Clubic, 20 Minutes, BFMTV, Libération (jeweils Berichte zur Strafe und zum Joy‑Con‑Drift in Frankreich).


